[Verdienen], [Pflege], [Sicherheit]

[Verdienen]
[Pflege]
[Sicherheit]

Der Ausgangspunkt: Das Ö1-Morgenjournal von heute, 15. Jänner, 7 Uhr.
Das Thema: Die erste Arbeitssitzung der neuen türkis-grünen Bundesregierung.  Einer der ersten Sätze (Moderator Paul Schiefer): „Wieviel Menschen, die im Pflegebereich arbeiten, verdienen sollen, darüber wird heute auch wieder verhandelt.“

Ein zentrales klassisches [Framing] zur Erwerbsarbeit. [Geld] muss [verdient] werden. Deinen Job musst du dir verdienen. Dein Gehalt, deinen Lohn musst du dir verdienen. Deinen Wert musst du dir verdienen. Du verdienst es einfach nicht besser…!

Menschen, deren Würde und Arbeit haben in diesem Framing per se keinen Wert. Bezahlung baut hier nicht auf dem Kollektivvertrag auf sondern auf einer moralischen Wertung. Selbst dann, wenn es sich um eine so wertvolle Tätigkeit handelt, wie das Pflegen von Menschen, die diese Unterstützung dringend brauchen.

GPA-Vorsitzende Barbara Teiber setzt dem nichts entgegen. Sie redet im Interview nicht über den [Wert] der Arbeit, über den Wert für die Gesellschaft, über den Wert der KollegInnen. Sie redet lieber über Arbeitszeitverkürzung und über erschöpfende Arbeitsbedingungen. Über Zahlen und Fakten, ohne jede übergeordnete Einordnung. Sie holt die Zuhörenden nicht in ihre Welt, in ihr Framing. Sie redet nicht über die Frage, wieviel [Lohn] (Achtung: [Belohnung]), wieviel Gehalt wir Pflegenden zumessen. Als wie wertvoll wir diese Tätigkeiten einschätzen und einschätzen sollten.

Wieviel Geld jemand für Erwerbsarbeit bekommt, ist eine Frage eines gesellschaftlichen Konsenses. Es gibt nicht aus einer Naturgesetzlichkeit heraus eine [Niedriglohnbranche], in der man nun mal „schlecht verdient“. Verrückterweise sind viele Bereiche, die extrem wichtig sind (Pflege, Kindergarten) extrem [entlohnungsschwach]. Das wird sich nicht ändern, solange nicht einmal die Gewerkschaftsvertreterin adäquat darüber redet.

In meinen Augen ist jedenfalls klar: Menschen, die im Pflegebereich arbeiten, verdienen viel mehr als sie derzeit bekommen.

Und dann war da noch die Verknüpfung der Themen Pflege und Sicherheit.
Katja Arthofer und Stefan Kappacher stellen vor dem heutigen Ministerrat die Frage, ob hier „etwas aus beiden Welten“ geboten wird: Das Thema Pflege für die Grünen und Sozialminister Rudolf Anschober sowie das Thema Sicherheit (ÖVP), bei dem Innenminister Nehammer eine Personalaufstockung bei der Polizei erreichen will.

Pflege und Sicherheit sind also zwei unterschiedliche Themen, aus unterscheidlichen Welten. „Sicherheit“ ist dabei als Thema geframet, dass mit der Waffe verbunden ist: Polizei, Militär, Härte. Hierhin gehört der Kampf (gegen „illegale Migration“), hierhin gehört Strenge. Die Sicherheit meiner persönlichen Zukunft, die Frage, wie ich mein Alter verbringen werde (bin ja schon über 50…), ist in diesem Framing keine Frage von Sicherheit. Eine solche Erzählung raubt der Sicherheitsfrage wesentliche Aspekte: Fürsorge oder Empathie. Lassen wir bitte nicht zu, dass diese Themen keinen Platz mehr in Fragen von Sicherheit haben.

15. Januar 2020 von Axel Grunt
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