Wie gut gemeinte Interviews Frauen schlecht machen

aus der losen Serie: Framing in den Ö1-Journalen

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Wie schwierig ist es als Frau, Karriere im wissenschaftlichen Bereich zu machen? Diese Frage stellt heute früh das Ö1-Journal um 8. Zu Gast: Sabine Seidler, seit 2011 Rektorin der Technischen Universität Wien.

Noch einmal als Hintergrund: Frames sorgen dafür, dass wir Informationen einordnen können. Frames funktionieren über Verknüpfungen – bestimmten Informationen werden bestimmte Interpretationen zugeordnet. Und je öfter die dazugehörigen neuronalen Verbindungen benutzt werden, desto stärker wird die Verknüpfung, desto leichter denken wir in diesem Frame.

Jetzt zeigt ein aktueller Bericht: Es geht einiges weiter an Österreichs Universitäten, von echter Gleichwertigkeit sind wir aber noch deutlich entfernt.

Meiner Einschätzung nach wäre das Thema gewesen: Wie bringen wir endlich einen ernsthaften Anteil an Frauen in wissenschaftliche Spitzenpositionen. Wo sind die guten Beispiele? Die Redaktion hat sich für den negativen Spin entschieden: Wie schwierig ist es, als Frau Karriere im wissenschaftlichen Bereich zu machen? Und Moderatorin Andrea Maiwald doppelt den Effekt mit ihren Fragen intensiv auf (Kursiv = Zitat Maiwald):

„…aber bei den Spitzenposten tun sich Frauen immer noch schwer“

Frauen tun sich prinzipiell nicht schwer. Frauen sind großartige Wissenschafterinnen. Es sind bewusste Entscheidungen der Politik und der universitären Hierarchien, die Frauen daran hindern, einen fairen und gesellschaftlich höchst sinnvollen Anteil zu übernehmen. Wir verzichten damit auf viel Pozential, auf viel Leistung.

„Der technische Bereich – immer noch eine Männerdomäne“

Der Frauenanteil unter den TU-Studierenden liegt über einem Viertel, Architektur wird mehrheitlich von Frauen studiert. Aber wenn wir das traditionelle Bild noch ein paar mal wiederholen, hat es auch die Letzte begriffen: [Technik] = [Männersache]

„Man hört oft, Frauen trauen sich nicht, sind zu wenig selbstbewusst. Sind Frauen zu feig, um sich um Führungspositionen zu bewerben? Ist da was dran?“

Siehe oben: Frames sind Verknüpfungen. Und Wiederholungen stärken die Frames – auch in der Verneinung („…Frauen sind ja gar nicht feiger als Männer…“). Wenn ich mehr Frauen in Spitzenpositionen haben will, kann ich entweder Männer als feig framen, weil sie keine weibliche Konkurrenz aushalten (wovon ich dringend abrate) oder Geschichten vom weiblichen Mut erzählen.

„Sie sind vor 7 Jahren an die TU Wien gekommen als Rektorin . Wie haben denn die Männer aufgenommen, dass  sie da jetzt eine Frau als Vorgesetzte haben? War das ein Problem für sie?“

Da gibt Rektorin Seidler eine knappe und klare Antwort: Ich bin von Männern gewählt worden.

23. November 2018 von Axel Grunt
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