David Alaba ist kein Fußballer

[Salzburg]
[Landtag]
[Politik]
[Staat]

Stellen Sie sich vor, David Alaba erklärt vor dem nächsten entscheidenden Spiel seines Vereins Bayern München: „Ich bin kein Fußballer!“ Er tut das aus taktischen Gründen. Er hofft, es kämen mehr Fans, wenn er sich von seinem Beruf und vielleicht sogar von seiner Mannschaft distanziert. Würden Sie das verstehen?

Am 22. April 2018 wählt Salzburg einen neuen Landtag.

9 Parteien treten an – darunter auch die Grünen, denen nach der Landtagswahl in Kärnten zwar nicht der Rauswurf aus dem Landtag aber doch massive Verluste drohen.

Spitzenkandidatin Astrid Rössler versucht nun eine andere Inszenierung: „Ich bin keine Politikerin“, so die rösslerLandeshauptmann-Stellvertreterin zum Beispiel auf ihrem Facebookprofil. „😉 Mehr dazu in den kommenden Tagen…

Was macht die Grüne Landessprecherin?

Mutmaßlich versucht sie eine Stimmung aufzugreifen, die sie für nützlich hält. Umfragen zeigen, dass Politik in Österreich keinen guten Ruf hat. Während die Feuerwehr nahezu uneingeschränktes Vertrauen genießt, sprechen in einer Umfrage aus 2016 nur 17 Prozent der Befragten PolitikerInnen pauschal ihr Vertrauen aus.

Ich vermute, Rössler weiß das. Sie weiß, dass „Politik“ grundsätzlich schlecht bewertet ist. Und ich vermute, sie versucht damit zu spielen.

Es wird nicht klappen.

Mag sein, dass Rössler damit den Grünen in Salzburg hohe Verluste erspart. Mag sein, dass die Grünen wegen dieser Inszenierung ihrer Landessprecherin besser abschneiden. Und trotzdem klappts nicht.

[Politik] = [Mist], von dem ich mich distanziere. So verstehe ich Rössler. Ein ironischer Zugang, eine paradoxe Intervention. Leider: Aus der Kognitionswissenschaft wissen wir, dass Anführungszeichen, Einschränkungen wie „so genannte“, Verneinungen oder Ironie nichts nützen. Das Hirn hört zuerst die Botschaft, die entsprechenden neuronalen Verbindungen werden aktiv und damit gestärkt. Wir können eben nicht „nicht an den Elefanten denken“. Wir müssen zuerst an den Elefanten denken, damit wir damit wieder aufhören können.

Und…

…genauso wie wir einen funktionierenden (starken) Staat brauchen, brauchen wir auch funktionierende (starke) Politik:
Grüne Politik steht für lebhafte Demokratie,für Kontrolle, für Parlamentarismus, für Partizipation, eben für eine starke Politik.

Das entsprechende [Framing]:
Der [Staat] sind [wir alle].
Gute [Politik] sorgt für den größtmöglichen [Nutzen für alle].
Ergo: [Politik] ist [wertvoll].

Wer sagen will: „Was diese schwarzblaue Bundesregierung da tut, ist erbärmlich und ich kann es besser“, möge genau das sagen. Bitte kritisieren Sie laut und deutlich das, was Sebastian Kurz tut, kritisieren Sie die Art, wie die FPÖ unseren Staat missbraucht. Benennen Sie konkrete Menschen, deren Namen und deren konkrete Handlungen.

Und trennen Sie das auch begrifflich von [Politik].

Liebe Frau Rössler:
Das was Sie tun, das ist Politik.

Dieses engagierte Arbeiten für die Gemeinschaft. Das ist Politik.
Stärken Sie Politik, indem Sie vom Nutzen Ihrer Arbeit sprechen.
Trennen Sie das was Sie tun [=Politik] von dem was [schwarzblau] tut [=Missbrauch] [=Schaden für Österreich/Salzburg]
[Politik] = [wertvoll]

Beschädigen Sie diese wesentliche Annahme nicht, indem Sie sich von Politik distanzieren.

13. März 2018 von Axel Grunt
Kategorien: BLOG | Schlagwörter: , , , , , , , | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Pingback: So, jetzt von den Innsbrucker Grünen lernen. – Axel Grunt

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert