„Natürliches Rechtsempfinden“ – Schluss der Debatte

[Strafrecht]
[Missbrauch]
[Edtstadler]

Also gut.
Karoline Edtstadler meint, höhere Strafen könnten Triebtäter abhalten und das „natürliche Rechtsempfinden“ werde durch milde Urteile verletzt. Dies würden Internetpostings oder auch Gespräche mit der Bevölkerung am Land zeigen.

Ein gefährliches Framing der Staatssekretärin.
Steht dem „natürlichen“ Rechtsempfinden ein „unnatürliches“ gegenüber? Reden wir hier vom „gesunden Volksempfinden“? Wenn ich eine andere Meinung zu Themen wie Strafhöhen oder Sinnhaftigkeit von Strafen habe, als sie sich in „Gespräche mit der Bevölkerung am Land“ zeigt, bin dann ich „unnatürlich“? „Widernatürlich“?

Und schon ist es auch wieder Zeit, den Schluss der Debatte auszurufen!
Das Diskutieren einzelner Formulierungen, das ausführliche Kritisieren einzelner Framings bewirkt genau das Gegenteil des Erwünschten: Es stärkt den Frame.

Ich werde in Zukunft anders über Strafrecht und sexuellen Missbrauch reden.
Ich weiß, dass der überwiegende Großteil sexuellen Missbrauchs zuhause geschieht. Durch Verwandte, durch Freunde der Familie. Eine Mitarbeiterin der Kinderschutzeinrichtung „Die Möwe“ hat mich bei einem Vortrag im Kindergarten sehr beeindruckt. Sie hat zum Ende ihres Inputs hin die versammelten Eltern gewarnt: Wir, die wir hier sitzen, wir sind die gefährlichsten Menschen für unsere Kinder!

Kommen wir dem Missbrauch in den eigenen vier Wänden mit dem Strafrecht bei? Nein. Dem kommen wir bei, indem wir kranke Menschen respektvoll therapieren und die Opfer bestmöglich unterstützen. Indem wir laut darüber reden, dass Wegschauen Schaden anrichtet. Indem wir mit unseren Kindern üben Nein zu sagen.

Ist das „natürlich“? ist das „gesund“? Was interessiert mich das.
Mir geht es um meine Kinder. 

09. Februar 2018 von Axel Grunt
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