Klimawandel abgesagt! – Warum wir die Mehrheit nicht hinter dem Ofen hervorholen.

[TALK YOUR WALK]
[Klimawandel]
[Wetter]
[Krise]
[Identity Marker]
[kulturelle Resonanz]

Laut Mikrozensus 2015 sehen ein Viertel aller ÖsterreicherInnen Treibhauseffekt und Klimaveränderung als ihr vordringlichstes Umweltproblem. Auch die dahinter gereihten Probleme haben Klima-Bezug: Steigendes Verkehrsaufkommen, Zerstörung von Natur und Landschaft, zunehmender Energie- und Rohstoffverbrauch. Trotzdem dümpelt die österreichische Klimapolitik unbefriedigend vor sich hin. Der letzte TYW-Abend – Talk your Walk. „Klima – Wen schützen? Was wandelt?“ hat sich mit dem [Re-Framing] der Klimadebatte befasst. Eine Zusammenfassung mit praktischen Konsequenzen.

Noch immer halten zuvielen Menschen die Begriffe [Klima] und [Wetter] nicht klar auseinander. Sie wissen nicht, wie sich „der [Klimawandel]“ auf ihren Alltag auswirkt. Sie sehen die Dringlichkeit des Problems nicht. Ist das Klima doch ganz natürlich Schwankungen unterworfen. Oder etwa nicht? „Wir wollen zwar das Klima – und nicht den Menschen – schützen, finden aber eigentlich, dass es so schlecht nicht ums Klima bestellt ist. Es wandelt sich halt – ganz angenehm. Die Erde erwärmt sich. So wenig dringlich, ja geradezu positiv diskutieren und begreifen wir die globale Klimakrise“, schreibt Elisabeth Wehling. Schon 1983 haben Geier Sturzflug gesungen „Besuchen Sie Europa, solange es noch steht“ und 35 Jahre später steht es doch tatsächlich noch…

...da leugne ich lieber den Klimawandel!

…da leugne ich lieber den Klimawandel!

Diese skeptischen Menschen – und sie sind viele! – erreichen wir offenbar nicht, wenn wir wie bisher über die bevorstehenden Veränderungen reden. Vielleicht erreichen wir sie, wenn wir über das Wetter reden. Über drohende schwere Wetterverschlechterungen reden oder über mögliche konkrete Konsequenzen, über eine [Klimakrise]. So kann das abstrakte Konzept Klima begreifbar gemacht werden. George Lakoff thematisiert dieses Problem in einem NPR-Interview: „Global warming applies to climate, not weather, and most people don’t think of the difference, and so you shouldn’t be talking just about global warming. You should be talking about the climate crisis.“

Klimawandel ist dabei mehr als eine wissenschaftliche Tatsache. Auch in Österreich beginnen wir die Auswirkungen zu spüren. Wir lernen neue Vokabel wie „Starkregenereignis„. Wir müssen erhöhte Sterberaten während der großen Sommerhitze hinnehmen. Und wir tragen über unser Einkaufs- oder Mobilitätsverhalten dazu bei. JedeR von uns beeinflusst das Wetter, die Klimakrise ist bei uns angekommen.

Unsere gemeinsame Aufgabe jetzt: Wir müssen aus der wissenschaftlichen Tatsache eine soziale Tatsache, eine gesellschaftliche Wahrheit machen. Dazu brauchen wir konkrete, nachvollziehbare, lokal verankerte Erzählungen. Aufgebaut auf [Identity Markers] der jeweiligen Zielgruppe. Österreich und überflutete Karibik-Inseln? Keine Chance. Fluchtbewegungen und Globaler Temperaturanstieg? Relevant – aber nicht mehrheitsfähig.

Planeten-Witz by Fareus

Planeten-Witz by Fareus

Wir brauchen einen Wechsel vom abstrakten Schutz des Planeten zum konkreten Schutz der Menschen. Nutzen wir die Tatsache, dass Menschen gerne beitragen. Dass sie mit Freude bereit sind, sich für eine gute Sache einzusetzen. Dass viele Menschen stolz darauf sind ÖsterreicherInnen zu sein. Machen wir den Kampf gegen die [Klimakrise] zu einer Angelegenheit, die für Österreich zwingend logisch ist. Als etwas, worauf wir gemeinsam stolz sein können!

Ein Report der Royal Society of Arts empfiehlt unter anderem: „Refocus the debate away from the existence of problems towards competing ideas about solutions.“ Da kann Österreich Einiges beitragen!

Ein guter Frame erzeugt [kulturelle Resonanz], auf deutsch: er sagt den Menschen etwas, das nicht erklärt werden muss. Er setzt auf vertraute, verinnerlichte, nachvolziehbare Assoziationen. Greenpeace hat im Juni 2017 versucht, die Freiheitsstatue als Unterstützerin zu gewinnen.

Greenpace-Aktion zur Klimakrise

Greenpace-Aktion zur Klimakrise

Das Ziel: Die G7-Staaten zu mehr Klimaschutz zu bewegen, trotz Präsident Trumps Drohungen. Als Bild, als [visueller Frame] funktioniert das tadellos. Zumindest in den USA. Wichtig ist aber gerade hinter einem funktionierenden Bild auch die funktionierende Erzählung. Wer sieht sich selbst schon auf einem schmelzenden Gletscher? Auf einem Eisberg in der Antarktis? Kann der durchschnittliche US-Bürger, die ganz normale Österreicherin die Probleme einer versinkenden Pazifik-Insel nachvollziehen?

Gehen wir gemeinsam in eine neue Richtung. Werden wir eindringlicher in unserem Reden und Argumentieren:

  • Wir stehen vor einer Krise.
  • Einer Klimakrise, die ganz konkret hier bei uns zu Wetterkrisen führen wird.
  • Und wir können gemeinsam etwas dagegen tun.
  • Die Lösungen liegen auf dem Tisch.
  • Es ist notwendig und selbstverständlich, dass Österreich als von der Natur dermaßen begünstigtes Land sein Bestes tut sich dieser Krise entgegenzustellen.
  • Lokal, national und international.

Worauf warten wir?

19. September 2017 von Axel Grunt
Kategorien: BLOG, TALK YOUR WALK | Schlagwörter: , , , , , , , , | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. Pingback: TALK YOUR WALK. Praxis-Baustein zu Klimakatastrophen, politischem Framing, Rechthaben wollen und empathischem Zuhören – Axel Grunt

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  3. ja, interessant. Sehe ich genauso. Nur die Uraltgrafik „ich hab Homo sapiens“ finde ich hier unglücklich. Ich hab den Witz Mitte der 90er auch schon verwendet (solange gibt’s den doofen Witz schon), aber halte ihn nicht nur für absolut zynisch, sondern er fördert auch die typische Skalenverkennung, die uns nicht weiterbringt bzw. die Ausrede aufdrängt, dass es eh schon viel zu spät sei. Skalenfragen sind mit am schwierigsten zu kommunizieren, de facto sind berufsbedingt manche (wenige) Geologien anfällig für „Klima hat sich doch schon immer geändert, etc.“, manche (wenige) Meteorologen für „das ist keine Klimaänderung, sondern Wetter“, manche (wenige) Historiker für „das war doch schon immer so, da kann man nichts machen“ usw.. Und bei Kipppunkten wird es noch schwieriger: da braut sich was zusammen, aber wir wissen nicht wann es kippt (da greifen dann ggf. auch wieder die obigen Ausreden). Also, m.E. lieber weg mit diesem zynischen und kontraproduktiven Witz. Ansonsten, volle Unterstützung! Positive und polyspektrische Lösungsansätze (die Suche nach dem Besten, ja, aber v.a. auch gemischte Lösungsportfolios) sind der richtige Ansatz. Viele Grüße, Reinhold Leinfelder

    • Lieber Herr Leinfelder,
      danke für die ausführliche Rückmeldung.
      Leider: Ich werde Ihren Wunsch nicht erfüllen und den Witz an seiner Stelle belassen. Warum? Weil er einen mir wichtigen Punkt ausdrückt: Der Planet braucht uns nicht. Wir brauchen den Planeten. Darum plädiere ich hier auch (neben dem Bild – für einen kommunikativen Wechsel – vom abstrakten Schutz des Planeten zum konkreten Schutz der Menschen.
      LG
      Axel Grunt

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