Ibiza ist unschuldig

Hinter dem Ende der Regierung Kurz steckt Straches Weltsicht – und nicht ein Video

[Strache]
[Kurz]
[Ibiza]
[Video]
[Politik]

„Diese [Krise], ausgelöst durch das [Ibiza-Video]“ (Beate Meinl-Reisinger)

„Aus einem sieben Stunden umfassenden illegalen Film- und Tonmaterial wurden der Öffentlichkeit ganze sieben Minuten präsentiert … ein politisches [Attentat] auf meine Person … Die [Feinde unserer demokratischen Grundordnung] gehören ermittelt.“ (Heinz Christian Strache)

Es ist ominpräsent, das „[Ibiza-Video]“ – und rasch mutiert es zur Ursache einer politischen Krise. Die FPÖ und auch Teile der ÖVP bemühen sich um ein entsprechendes Framing (siehe Strache-Zitat oben): Wir sind die Guten, was wir da im Suff schwadroniert haben, gibt es gar nicht, die Schuldigen sind die Betrüger, die das Video gedreht haben.

Bitte stärkt nicht das FPÖ-Framing. Bitte redet Klartext!

  • Die Krise rührt daher, dass Sebastian Kurz – wissend, mit wem er da zu tun hat – eine Koalition mit einem Strache und damit auch einem Gudenus geschlossen hat.
  • Die Krise rührt daher, dass offenbar FPÖ-Spitzen glauben (und anscheinend zumindest auch der derzeitige ÖVP-Obmann), dass die Republik ihnen gehört und dass sie sich bereichern können. Ohne Scham und Genierer.

Dieses erbärmliche Verhalten hat die Krise ausgelöst. Nicht die Tatsache, dass jemand darüber ein Video gedreht hat.

05. Juni 2019 von Axel Grunt
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Aber die Zahl der Vergewaltigungen ist doch gestiegen!

Zur Konstruktion von „subjektiver Sicherheit“

2. Mai 2019, Ö1-Mittagsjournal.

Die ansich positive Geschichte: Weniger Strafanzeigen, jeder zweite Fall wird aufgeklärt in Österreich.
Spin: „Nicht alles ist allerdings so erfreulich, wie es auf den ersten Blick scheint.“ (Zitat Moderation Andrea Maiwald)

Maiwald: Weniger Anzeigen, insgesamt weniger Gewaltverbrechen. Trotzdem haben manche das Gefühl, es wird gefährlicher, abends alleine auf die Straße zu gehen. Warum beruhigen diese Zahlen nicht?

Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl erklärt: Kriminalität sinkt generell in Europa, die Zahlen gehen nach unten.
Das Sicherheitsgefühl ist aber schlecht, weil Sie als Normalbürgerin von jeder Vergewaltigung von Vorarlberg bis St. Pölten hören. „Das ist aber völlig überschätzt“. Die „private Statistik im Kopf“ stimmt nicht.

Maiwald: Aber tatsächlich ist die Zahl der Vergewaltigungen gestiegen.

Kreissl: Nein, die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen ist gestiegen. Hat ja eben der Beitrag auch gezeigt. Wenn das Vertrauen in die Polizei steigt, gehen die Anzeigen nach oben. Je mehr die Opfer bereit sind, so etwas der Polizei mitzuteilen, desto höher sind die Zahlen.

Noch Fragen?

02. Mai 2019 von Axel Grunt
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[Steuer], [Reform] und [Entlastung] – sie spielen unser Lied

Konservative PolitikerInnen und WirtschaftsforscherInnen feiern heute die mediale Berichterstattung: Hörst du? Sie spielen unser Lied…

[Steuer]
[Entlastung]
[Belastung]
[Anspruch]
[Leistung]

Zitate dazu aus dem Ö1-Morgenjournal von heute, 30. April 2019:
„Den Österreicherinnen und Österreichern wird also in Aussicht gestellt, dass sie weniger Steuern zahlen müssen.“ „Wirtschaftsforscher sprechen von einer substantiellen Entlastung.“
Die Kronenzeitung schreibt von einem „Milliarden-‚Geschenk'“.

Hier sind sie, die Schlüsselbegriffe: Wir [müssen] blechen. [Weniger] zahlen = [besser] = [Geschenk]. Eine [Entlastung] muss her.

[Entlastung]
Im medialen und politischen Diskurs werden Steuern nahezu ausschließlich als [Last], als [Belastung] geframet. Von allen politischen Seiten. Der Staat greife den BürgerInnen direkt ins Börsel, manche würden „überproportional belastet“, ein „Entlastungsvolumen“ wird versprochen.

Was keine Rolle spielt, ist der [Gegenwert] meiner Steuerleistung.
Bildung, Forschung, Öffentlicher Verkehr, Straßen, Büchereien, Musikschulen, Spitäler, Mindestsicherung, Kinderbeihilfe, Pensionen,…, für meine Steuerleistung bekomme ich enormen Gegenwert. Ich bekomme gesellschaftlichen Zusammenhalt und soziale Sicherheit.

Diese Leistungen sind (wenigstens teilweise) von uns BürgerInnen, von uns SteuerzahlerInnen finanziert. Wir schätzen diese Angebote, diese Ansprüche und Rechte, wenn wir sie brauchen. Oder wenn wir sehen, dass andere sie in Anspruch nehmen können.

[Anspruch]
Ja, ich finanziere öffentliche Leistungen. Ich bin stolz darauf, dass es derart hochwertige Leistungen in Österreich gibt. Sie sind gemeinschaftlich finanziert, ich empfinde einen persönlichen Anspruch darauf.

[Gegenfinanzierung]
Ob diese Leistungen erhalten bleiben, versteckt sich hinter der Frage nach der [Gegenfinanzierung]. Das Bild dazu ist das des [ehrlichen Kaufmanns]: Der Finanzminister könne nicht mehr ausgeben, als er einnimmt.

Tatsächlich kann der Staat mehr, muss sogar mehr. Die Bundesregierung verwaltet kein Konto sondern ist für das Funktionieren einer Gemeinschaft verantwortlich. Die kleine Gemeindestraße ins letzte Dorf und der Postbus am späten Abend sind betriebswirtschaftlich astreine Verlustgeschäfte. Aber wichtig, wenn wir die bestehende ländliche Struktur erhalten wollen. Investitionen in Bildung steht kein unmittelbarer Gegenwert gegenüber. Forschungsausgaben rechnen sich möglicherweise erst in Jahrzehnten. Trotzdem sind sie unstrittig wichtig.

Wo sind die progressiven Linken?

Auch SozialdemokratInnen, GewerkschafterInnen, KommunistInnen singen das konservative bzw. wirtschaftsliberale Lied. Die BürgerInnen müssen entlastet werden. HÖRT AUF DAMIT! Seid stolz auf unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Seid stolz auf das Erreichte. Erzählt euren FreundInnen, warum ihr gerne bereit seid, Steuern zu leisten, euren Teil beizutragen.

Unser Staat, unser Österreich ist eine gemeinsame Leistung. Gemeinsam finanziert, gemeinsam gelebt.

So kann auch das Framing einer echten Steuer*reform* aussehen: Folgende gesellschaftliche Werte und Ziele wollen wir gemeinsam erreichen. Stichworte Klimakollaps, Ökologie, Gemeinschaft, Zusammenhalt. Dazu verschieben wir Teile der Steuerleistung von A nach B. Wir zeigen damit, was uns wichtig ist und was wir als schädlich ansehen.
Eigentlich einfach…

30. April 2019 von Axel Grunt
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Neu – neu – neu! Framing-Podcast: „Denk nicht an einen Elefanten“

Politik für die FrühaufsteherInnen

Framing-Podcast: Denk nicht an einen Elefanten!

Framing-Podcast: Denk nicht an einen Elefanten!

Noch einmal: neu – neu – neu! Gemeinsam mit Marcel Kneuer, der mir vor vielen Jahren empfohlen hat, ein Buch von George Lakoff zu lesen, habe ich gerade einen Podcast begonnen: „Denk nicht an einen Elefanten„.

Hauptfragen der ersten Folge: Was treibt Sebastian Kurz an, wenn er Politik für FrühaufsteherInnen machen will? Weshalb wertet er Wien als Heimat der In-den-Tag-hinein-SchläferInnen ab. Wie kommt mein Geld unter Palmen? Und Warum soll ich an keinen Elefanten denken?

„Ich glaube nicht, dass es eine gute Entwicklung ist, wenn immer weniger Menschen in der Früh aufstehen und in immer mehr Familien nur mehr die Kinder in der Früh aufstehen, um zur Schule zu gehen.“ (Sebastian Kurz bei der Regierungsklausur in Mauerbach)

Früh Aufstehen ist für Kurz also besser als lange Schlafen. Warum? Weil es von Leistungsbereitschaft und Stärke zeugt. Wer das Leben ernst meint und hart arbeitet, der steht auf. So funktioniert Erfolg. Zumindest war das einmal so. Damals, als wir Sprichwörter geprägt haben wie „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, „mit den Hühnern aufstehen“ oder „Early to bed and early to rise makes a man healthy, wealthy and wise.“  Auch andere PolitikerInnen bedienen dieses Bild: Bereits 2007 sprach Nicolas Sarkozy von „La France qui se lève tôt“

Sachlich gilt das heute schon lange nicht mehr. SchichtarbeiterInnen in der Industrie, SpitalsärztInnen, KellnerInnen, BäckerInnen,… wir haben jede Menge Berufsgruppen, die in den Tag hinein schlafen, nach dem sie nachts gearbeitet haben. Und ihre Tätigkeiten sind gesellschaftlich anerkannt sind. Die Klischees, die Metaphern, die Frames aber sind haltbarer als die Realität.

Auch schwingt in Kurz‘ Formulierung ein harter Vorwurf mit:
Die vernachlässigen sogar ihre Kinder. Aus Faulheit. Aus Schwäche. Das widerspricht dem konservativen ÖVP-Weltbild diametral. Du musst stark sein – vor allem als Mann. Als „pater familias“  versorgst du die Familie. Und sorgst dafür, dass alles seine Ordnung hat.

Und so kommt Kurz‘ Weltsicht auch in Konflikt mit der Idee einer Mindestsicherung oder eines Grundeinkommens.
In George Lakoffs Familien-Modell (hier der „strict father“, dort die „nurturant parents“) funktioniert das folgendermaßen: Jemand ist arbeitslos. Dafür ist er selbst verantwortlich. Jeder kann wieder einen Job finden. Wem es nicht gelingt, der muss es eben härter versuchen. Sozialleistungen stehen dabei im Weg. Sie geben dem Menschen etwas, das er nicht braucht. Sie hindern daran, (moralisch) stark genug zu werden und sich auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen. Sie führen dazu, dass Menschen einfach in der Früh liegenbleiben, statt etwas zu leisten.

Dazu behauptet der ÖVP-Obmann einen Trend. „Immer weniger Menschen“ würden in der Früh aufstehen. Immer mehr Menschen würden in Wien Arbeitslosengeld kassieren. Der Trend erhöht den politischen Druck. Wir müssen dringend handeln. Sonst Krise. Auch moralische Krise.

Kurze Ergänzung zum Podcast:
Ich finde, dass meine Steuerleistung sinnvoll und nützlich ist. Mit diesem, meinem Geld werden sinnvolle und nützliche Gemeinschaftsleistungen geschaffen. Schulen, Bahnlinien, Grundlagenforschung,… – alles Steuer finanziert. Darum verwende ich niemals Worte wie „Steuerflucht“, „Steuerlast“ oder Steueroase. Und Sie sollen das auch nicht machen. Die Erklärung gibt es hier.

Hören Sie sich den Podcast an, widersprechen Sie, diskutieren Sie mit uns. Und abonnieren Sie uns. Danke.

10. März 2019 von Axel Grunt
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Sarah Wiener – eine kurze Erklärung

Was sagt die Kandidatur von Sarah Wiener für die EU-Parlamentswahl über die Grünen? Drei erste Erklärungsansätze.

[Grüne]
[Sarah Wiener]
[Politikverständnis]
[Framing]

Die Grünen – relevante AkteurInnen innerhalb der Grünen Bundesspitze, des Bundesvorstands – wollen also mit der Starköchin Sarah Wiener den zweiten Listenplatz für die EU-Wahl prominent besetzen. Ich habe mit der Vorgehensweise mehrfach massives Bauchweh.

1) Politikverständnis
Die Grünen treten mit dem ständigen Versprechen an, Politik anders zu machen und ernstzunehmen. Dieses Versprechen ist aber nur so lange glaubwürdig, wie man die eigenen Prinzipien, die eigenen Grundwerte, die eigene politische Haltung auch in Krisenzeiten ernst nimmt. Das Aufstellen einer Fernsehköchin macht Politik zu einem Planspiel, zu einem Match der besseren StrategInnen. Nicht zu einem Durchsetzen der Besseren Ideen. Die Grünen treten offiziell als jene an, die die bessere Politik machen. Kompetenz vor Prominenz. Das passt nicht zusammen.

2) strategische Fehleinschätzung
Die Grünen brauchen keine Promi-Kandidatin aus Film, Funk und Fernsehen, die möglichst allen Menschen bekannt ist. Die Grünen brauchen KandidatInnen, die den richtigen Menschen bekannt sind und bei den richtigen Menschen beliebt sind. Nämlich bei einer erweiterten Zielgruppe. Nicht wichtig ist, ob meine Schwiegermutter oder die Hausmeisterin drüben auf der Zweierstiege sie kennen. Die wählen nämlich eh nicht grün. Die Promi-Kandidatin, die 87 Prozent der ÖsterreicherInnen gut finden, aber leider nicht wählen, bringt weniger, als die richtige Kandidatin, die den Grünen 15 Prozent der Stimmen bringt.

Die Grünen werden laut WählerInnenanalysen weniger wegen der Person der/des SpitzenkandidatIn gewählt als wegen ihrer Inhalte. Wenn schon Promi, dann ausgewiesen politisch. Heini Staudinger, Christian Felber oder Johannes Gutmann sind Beispiele für solche (eine geeignete Frau fällt mir echt nicht ein) und nein, ich spreche mich nicht für deren Kandidatur aus.

3) Die Basisdemkratie kippt
Ich finde es höchst an der Zeit, dass die Grünen ihre Entscheidungsprozesse überarbeiten. Ich halte es zum Beispiel für richtig und wichtig, dass der Bundessprecher oder eine Landessprecherin strategischen Einfluss auf die Listenerstellung nehmen kann. Das Statut möge für die Zukunft geändert werden. Derzeit ist es aber nicht so vereinbart.

Derzeit gilt: Es möge kandidieren, wer will. Und die Basis möge entscheiden.
In diesem Fall der BUKO. Aber. Wenn Werner Kogler mit einer einzigen ausgesuchten Kandidatin vor die Presse tritt, weil er sie für strategisch wichtig hält, bricht er politische Versprechen der Grünen. Solange die Grünen „Basisdemokratie“ als quasi unverhandelbaren Grundwert haben, geht es einfach nicht, dass der Chef eine einzelne Kandidatin dermaßen heraushebt. So sehr ich Koglers Drang und die strategischen Überlegungen verstehe.

4) Fazit
Ich will als Wähler ernstgenommen werden. Ich will, dass das Framing von Politik besser wird. Wer glaubt, mich mit einer TV-Köchin zu ködern, zeigt mir keinen Respekt. Ich will sehen, dass Parteien Politik ernstnehmen. Das Grüne Setzen auf Sarah Wiener zeigt mir diesen Ernst nicht.

18. Februar 2019 von Axel Grunt
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Ökostrom-Novelle: Politische Kommunikation ohne Netz

[Ökostrom]
[SPÖ]
[Bundesrat]
[Networking]

22 Aussendungen sind heute (Stand 17 Uhr) zur parlamentarischen causa prima über den OTS-Verteiler der Austria Presse Agentur gegangen.

Der häufigste Dreh der Verlierer der Ökostrom-Entscheidung: Die SPÖ verhindere, blockiere, gefährde.

Stolze 11 Aussendungen greifen die SPÖ bereits im Titel an: „SPÖ 5-Punkte-Plan ist eine Farce“, „SPÖ-Blockade der Ökostrom-Novelle ist verantwortungslos“ oder „SPÖ ist Totengräber der Biomasseförderung“. Die AussenderInnen reichen von „Land&Forst Betriebe Österreich“ über den Bauernbund bis zu ÖVP-Bundesparteileitung.

Keine einzige OTS, nicht einmal eine der SPÖ, feiert das Abstimmungsergebnis – am ehesten noch der stv Klubobmann Jörg Leichtfried: „Ökostrom – Leichtfried: Weg frei für gute Ökostrom-Lösung“. Für ein Neuverhandeln des Gesetzes ist der „Parlamentsklub JETZT: Regierung soll an den Verhandlungstisch zurückkehren“ oder „Sima/Taucher: Ökostromgesetz jetzt neu verhandeln!“

Gemeinsame Schlüsselworte? Gemeinsames Framing? Nicht zu erkennen.
OTS von PartnerInnen aus dem Bereich der Umweltorganisationen oder der Energieverbände fehlen völlig.

Fazit: Bei einem enorm wichtigen Anlass, beim ersten Mal, dass der Bundesrat echte Macht demonstriert, bei einer der wenigen Chancen für die SPÖ, klar zu zeigen wofür man steht, klappen Networking und Themensetzung nicht. Traurig.

14. Februar 2019 von Axel Grunt
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EU-Wahl: Wo bleibt der SPÖ noch Platz in den Medien?

[Wahlkampf]
[EU]
[Ö1 Journal]

Herbst 2015. Es war das groß ausgerufene „Duell um Wien„. „Der Wahlkampf für die Wien-Wahl spitzte sich medial und in den Kampagnen auf das „Duell um den Bürgermeister“ zwischen Michael Häupl (SPÖ) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) zu„, schreibt orf.at. Dazu immer wieder die Frage: Werden die anderen Parteien in der Auseinandersetzung zwischen Amtsinhaber und selbst ernanntem Herausforderer marginalisiert? Werden sie mit ihren Themen durchkommen?

Das Ergebnis ist bekannt: Trotz Verlusten verteidigt Häupl das Bürgermeisteramt mit knapp 40 Prozent der Stimmen, Strache bleibt 9 Prozentpunkte dahinter und im Nationalrat.

Heute früh im Morgenjournal

Zu Gast ist SPÖ-Chefin Rendi-Wagner.
Moderator Paul Schiefer vermutet, die EU-Wahl könnte auf ein Match zwischen Karas (pro-europäisch) und Vilimsky (EU-äh-kritisch) hinauslaufen. Dann die spannende Frage, die Schiefer im Interview später wiederholen wird: „Wo bleibt da noch Platz für den SPÖ-Kandidaten Andreas Schieder?

Übersetzung: Wer [durchkommt] mit den eigenen Themen, worauf [es sich zuspitzt], entscheidet in diesem Framing nicht die Redaktionskonferenz oder die Chefredakteurin. Es entscheidet sich naturgesetzlich, von alleine, durch Dritte. „Der Wahlkampf spitzt sich medial zu.“

Als old-school-Radiomenschen lässt mich das einigermaßen frustriert zurück. Und mir bleibt der Appell: Was „durchkommt“, worauf „es sich zuspitzt“ mögen JournalistInnen entscheiden. Sie sind die GatekeeperInnen. Und sie mögen derartige Entscheidung niemals den ParteistrategInnen überlassen.

25. Januar 2019 von Axel Grunt
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Gewalt. Ein Beispiel aus einer Tageszeitung.

[Gewalt]
[Männlichkleit]
[Medien]
[Sprache]

Die nächste tote Frau.
Die nächste Frau, die von ihrem Ehemann getötet wurde. Wir trauern. Und reden über Gewalt. Über die Ursachen. Über Patriarchat. Über „toxische Männlichkeit“.

Ich habe einen ganz alltäglichen Beitrag gefunden. Zur ganz normalen (bewusst ohne Anführungszeichen) Gewalt im Alltag. Einen Beitrag, in dem ganz bewusst eine Sprache der Gewalt gewählt wird.

"Hass-Duell" in der Zeitung Österreich

„Hass-Duell“ in der Zeitung Österreich

Die kommende EU-Wahl wird völlig willkürlich zum „Hass-Duell“ zwischen ÖVP und FPÖ, zwischen Karas und Vilimsky ausgerufen. Der Begriff „Hass-Duell“ ist frei erfunden und wird dafür gleich dreimal wiederholt, begleitet von „Scharmützel„, „Attacke“ oder „Konfrontation„.
Einfach so. Als absichtliches Stilmittel wird Brutalität gefördert, werden Frames des Krieges aufgerufen. Einfach so.

Und? Normal?
Die Tageszeitung „Österreich“ ist freilich nicht das einzige Medium, das eine gewaltfördernde Sprache verwendet. Auf Ö1 wurde die Tatsache, dass Theresa May am 15. Jänner 2019 keine Mehrheit für ihren Brexit-Deal erhalten hat, mehrfach als „schallende Ohrfeige“ interpretiert. Gewaltsames Framing. Generell bekommt Blut in der Chronik mehr Raum als der verdammt langweilige Friede.

Liebe KollegInnen, liebe JournalistInnen,
bitte!

Machen wir uns gemeinsam dran.
Ändern wir gemeinsam die Sprache in der Berichterstattung. Ändern wir Framing und Fokus.
Wir kommen von der schmerzlich betrauerten alltäglichen Gewalt gegen Frauen nicht weg, wenn wir Gewalt nicht als Gesamtphänomen akzeptieren. Wenn wir nicht auf möglichst vielen Ebenen unser Verhältnis zu Gewalt ändern.

Liebe KollegInnen, liebe JournalistInnen,
bitte!

Trefft eine bewusste Entscheidung für eine einzige andere, neue Formulierung pro Tag. Nur eine einzige.
Geht das?
Danke!

22. Januar 2019 von Axel Grunt
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Umweltschutz ist eine große Belastung

[Klima]
[Umwelt]
[Steuer]

Die Bundesregierung steht vor ihrer Klasusur – und dabei wird eine Steuerreform diskutiert werden. Der WWF fordert von der Regierung, dass sie dabei auf Klimaschutz und Ökologisierung setzt.

Im Ö1-Morgenjournal (9. Jänner 2019, 7 Uhr) hat sich Hanna Simons, Leiterin Natur- und Umweltschutz beim WWF Österreich, die Latte selbst hoch gelegt. Durch ein extrem kontraproduktives Framing. Zitat: Die ökologische Steuerreform möge „aufkommensneutral, also ohne zusätzliche Gesamt[belastung]den Ressourcenverbrauch „ver[teuer]n und gleichzeitig den Faktor Arbeit ent[last]en“.

Das Problem dabei: Völlig ohne Not wird das Erhalten unserer wesentlichen Lebensgrundlagen in einen Zusammenhang mit der Sorge vor Belastungen gebracht und als teuer geframed. Das ist faktisch nicht richtig und aus Framing-Sicht ein Eigentor: Die Chance, das Steuersystem auf Grund der Möglichkeit, Lenkungseffekte einzubauen, als wertvolle Chance zu erzählen, ist vertan.

Schade.

09. Januar 2019 von Axel Grunt
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Interview für „Stimmlagen“

Stimmlagen“ heißt das bundesweite Infomagazin der freien Radios in Österreich.

FRO LectureUnd nach meiner Framing-Lecture im Rahmen der FRO-Lehrredaktion am 8. November 2018  haben wir im Anschluss weitergeredet: Was versteht man eigentlich unter Framing? Wie erkenne ich Frames in meinem eigenen Leben? Und wie verändere ich die Verknüpfungen in meinem Hirn?

Hier zum Nachhören

30. November 2018 von Axel Grunt
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Wie gut gemeinte Interviews Frauen schlecht machen

aus der losen Serie: Framing in den Ö1-Journalen

[Ö1-Journal]
[Frauen]
[Wissenschaft]

Wie schwierig ist es als Frau, Karriere im wissenschaftlichen Bereich zu machen? Diese Frage stellt heute früh das Ö1-Journal um 8. Zu Gast: Sabine Seidler, seit 2011 Rektorin der Technischen Universität Wien.

Noch einmal als Hintergrund: Frames sorgen dafür, dass wir Informationen einordnen können. Frames funktionieren über Verknüpfungen – bestimmten Informationen werden bestimmte Interpretationen zugeordnet. Und je öfter die dazugehörigen neuronalen Verbindungen benutzt werden, desto stärker wird die Verknüpfung, desto leichter denken wir in diesem Frame.

Jetzt zeigt ein aktueller Bericht: Es geht einiges weiter an Österreichs Universitäten, von echter Gleichwertigkeit sind wir aber noch deutlich entfernt.

Meiner Einschätzung nach wäre das Thema gewesen: Wie bringen wir endlich einen ernsthaften Anteil an Frauen in wissenschaftliche Spitzenpositionen. Wo sind die guten Beispiele? Die Redaktion hat sich für den negativen Spin entschieden: Wie schwierig ist es, als Frau Karriere im wissenschaftlichen Bereich zu machen? Und Moderatorin Andrea Maiwald doppelt den Effekt mit ihren Fragen intensiv auf (Kursiv = Zitat Maiwald):

„…aber bei den Spitzenposten tun sich Frauen immer noch schwer“

Frauen tun sich prinzipiell nicht schwer. Frauen sind großartige Wissenschafterinnen. Es sind bewusste Entscheidungen der Politik und der universitären Hierarchien, die Frauen daran hindern, einen fairen und gesellschaftlich höchst sinnvollen Anteil zu übernehmen. Wir verzichten damit auf viel Pozential, auf viel Leistung.

„Der technische Bereich – immer noch eine Männerdomäne“

Der Frauenanteil unter den TU-Studierenden liegt über einem Viertel, Architektur wird mehrheitlich von Frauen studiert. Aber wenn wir das traditionelle Bild noch ein paar mal wiederholen, hat es auch die Letzte begriffen: [Technik] = [Männersache]

„Man hört oft, Frauen trauen sich nicht, sind zu wenig selbstbewusst. Sind Frauen zu feig, um sich um Führungspositionen zu bewerben? Ist da was dran?“

Siehe oben: Frames sind Verknüpfungen. Und Wiederholungen stärken die Frames – auch in der Verneinung („…Frauen sind ja gar nicht feiger als Männer…“). Wenn ich mehr Frauen in Spitzenpositionen haben will, kann ich entweder Männer als feig framen, weil sie keine weibliche Konkurrenz aushalten (wovon ich dringend abrate) oder Geschichten vom weiblichen Mut erzählen.

„Sie sind vor 7 Jahren an die TU Wien gekommen als Rektorin . Wie haben denn die Männer aufgenommen, dass  sie da jetzt eine Frau als Vorgesetzte haben? War das ein Problem für sie?“

Da gibt Rektorin Seidler eine knappe und klare Antwort: Ich bin von Männern gewählt worden.

23. November 2018 von Axel Grunt
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TALK YOUR WALK. Praxis-Baustein zu Klimakatastrophen, politischem Framing, Rechthaben wollen und empathischem Zuhören

…ein Praxis-Baustein im Rahmen des österreichischen Klimacamp2018

Warum setzen sich nicht alle Menschen für die Erhaltung unseres Planeten ein? Warum kümmert die Klimakatastrophe zu wenige? Warum gibt es noch immer SkeptikerInnen und LeugnerInnen?

Ein Grund dafür liegt in der Sprache und darin, wie wir politisch Streiten: Zwischen ökologischen Werten und Zielen auf der einen Seite und der Umwelt-Kommunikation auf der anderen Seite klafft zu oft ein Spalt: „Talk“ und „Walk“ sind nicht immer in Übereinstimmung. Das können wir ändern! Weiterlesen →

16. Mai 2018 von Axel Grunt
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Das linke Heimatdilemma

[Heimat]
[Alternativ]
[SPÖ]
[Ludwig]

Selbst der dunkelroteste Kommunist wohnt irgendwo. Hat ein Zuhause, ein Heim. Der Begriff [Heimat] gilt trotzdem als konservativ. Kirche, Lederhosen, Blut und Boden, Kleinstadtcharme, Mutter-Vater-Kind.

DHeimat Kaunertalas hat die Van der Bellen-Kampagne zu ändern versucht. „Heimat braucht Zusammenhalt“, „An Österreich glauben“.
Astrid Rössler hat in Salzburg dasselbe versucht. „Heimat beschützen“, „mehr Zusammenhalt und Menschlichkeit“. Weiterlesen →

03. Mai 2018 von Axel Grunt
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Experte: Nicht Rösslers Politik, sondern Kampagne für Wahldebakel der Grünen in Salzburg verantwortlich

Interview für Salzburg24.at

„Für mich sind 30.000 Stimmen Verlust auch eine persönliche Niederlage. Es ist eine klare Abwahl meiner Politik, meines Stils und der Themen, für die ich gekämpft habe“, sagte die Spitzenkandidatin der Grünen, LHStv. Astrid Rössler, Montagabend als sie vor der Presse ihren Rücktritt bekanntgab. „Das stimmt nicht“, sagt Kommunikationsberater Axel Grunt. Für ihn ist die „handwerklich schlecht gemachte“ Kampagne schuld an dem Debakel, nicht die Politik der Spitzenkandidatin. Weiterlesen →

25. April 2018 von Axel Grunt
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So, jetzt von den Innsbrucker Grünen lernen.

[Grüne]
[Kampagne]
[Kommunikation]
[Framing]

Die Innsbrucker Grünen haben am 22. April gewonnen – mit einem großartigen Spitzenkandidaten.
Die Salzburger Grünen haben am 22. April verloren – mit einer großartigen Spitzenkandidatin.

Am „Tag danach“ ist es immer leicht schlau zu sein. Darum versuche ich, nur einen einzigen ausgewählten Punkt des vergangenen Wahlsonntags zu beleuchten.

Der Unterschied: Die Kampagnenkommunikation.
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23. April 2018 von Axel Grunt
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